Toleranz mit klarer Kante

Ein paar Gedanken zum vergangen Karfreitag, zu fragwürdigen Verboten und deutlichen Ansagen.

Berlin ist eine tolle Stadt, ich lebe liebend gerne hier. Der Geist der Stadt ist weltoffen. Und die Berliner Schnauze sagt zwar nicht jedem zu, lässt aber bei aller Deftigkeit eines immer erkennen: Respekt.

Ich habe 12 Jahre in München verbracht, ich muss es wissen. Als bekennender Katholik hatte und habe ich ein Problem mit dem offiziell in ganz Deutschland geltenden Tanzverbot an den Kartagen.
In Berlin gilt dieses Verbot zwar auch, Verstöße werden aber nicht geahndet – und das ist gut so!

Über diese Frage war und bin ich mir mutmaßlich uneinig mit einem befreundeten Blogger. Der ist Katholik wie ich, nimmt manche kirchliche Gepflogenheit ernster als ich, aber nicht zur Regel. Und auch das ist gut so. – Er ist ein lebensfroher Mensch, wie es sich für ein Mitglied der Weltkirche gehört. Katholisch heißt weltumspannend, nicht weniger.
Beim Tanzverbot am Beginn des Triduums, der Tage von Gründonnerstag bis Ostermontag, spricht sich mein Freund aber klar für die Beibehaltung dieser gesetzlichen Vorschrift aus. Ich war und bin für die Aufhebung.

Wer mich nicht oder nicht gut genug kennt, mag das für weichgespültes Christentum halten. Das ist es aber nicht. Ich bin nur für klare Verhältnisse.
Ich nehme Gegner gerne ernst. In Bayern erlebte ich, wie sich befreundete Menschen an einer Protestaktion gegen das Tanzverbot beteiligten. Zum einen kenne ich die Besagten ziemlich gut und konnte ihren Protest nachvollziehen. Auf der anderen Seite fand ich die Form des Widerstands kindisch. Und damit eines ernst zu nehmenden Standpunkts unwürdig.

In Berlin, wo das Tanzverbot am Karfreitag nur formal gilt, sieht es anders aus. Als ich gestern vom Karfreitags-Gottesiendst über die Sonnenallee nach Hause ging, kamen mir drei junge Männer entgegen, die offenbar zu einer Hochzeitsgesellschaft gehörten. Ich kann nicht einschätzen, ob das ein Statement war. – Heute, am Karsamstag, wurde ich auf eine Veranstaltung aufmerksam, die am Gedenktag vom Leiden und Sterben Jesu Christi stattgefunden hatte. Das erklärte Ziel dieses Events: Alles, was Christen heilig ist, egal welcher Konfessionen, ins Gegenteil verkehren. Party statt Abendmahl, Spott statt Stille, Vollrausch statt Erschrecken.

Jetzt geht’s ans Eingemachte, Freunde. – Ich freue mich nicht an solchen Veranstaltungen und schon gar nicht daran, dass es ernst zu nehmende Charaktere dazu hinzieht. Aber das Karfreitagsgeschehen zeigt eines ganz deutlich: In der Masse neigt unsereins zum un-menschlichen Verhalten. Es ist das eine, nicht an einen Erlöser zu glauben. Es ist etwas anderes, dem „Ans Kreuz mit ihm“ zuzustimmen. Psychologen dürfen darüber nachdenken, wieviel Massenhysterie damals in Jerusalem im Spiel war. Wenn heute jemand am Karfreitag die letzte Nacht eines Menschen durch den Dreck zieht, ist das durch nichts zu rechtfertigen. Klare Verhältnisse immerhin.

Für uns als Gläubige ist das eine Herausforderung, aber im Grunde kein unlösbares Problem. Das Wort „Toleranz“ bedeutet wörtlich „Erdulden“. Unabhängig davon, ob man in Jesus von Nazareth einen besonderen Menschen sieht, sein Leiden lässt sich nicht leugnen. Tausende andere wurden (und werden) nach derselben grausamen Methode hingerichtet. Er hat es im strengen Sinne des Wortes toleriert.

Christen aller Konfessionen sehen darin etwas Heilendes. Das so zu sehen, ist nicht für jeden möglich. In Zeiten, wo sich Nachrichten von Krieg und Terror lichtschnell verbreiten, werte ich Aktionen wie „bluten. EIN ABENDMAHL“ aber als Einstimmen in die heutige Version eines menschenverachtenden Rufs, der damals in Jerusalem nicht zum ersten Mal zu hören war. Ertrage das wer kann. Aber es ist immerhin eine klare Ansage.

Wie denkt Ihr darüber? – Auf eure Comments bin ich gespannt.

2 Gedanken zu „Toleranz mit klarer Kante“

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