Früher verachtete Lieder heute heiß geliebt, Folge 3

Ein bayerisches Weihnachtslied

Es ist kein Geheimnis, dass ich 1986 sehr ungern nach Bayern zog. Musikalisch habe ich dadurch einiges gewonnen.

Ich erinnere mich gut, dass mein Vater eines Tages Noten mit nach Hause brachte, die ihm sein Chef gegeben hatte. Es war eine lose Blattsammlung von alpenländischen Weihnachtsliedern. Titel und Weise eines Liedes missfielen mir besonders: „Es wird scho glei dumpa“, auf Hochdeutsch: Es wird schon gleich dunkel. Vielleicht rührte meine spontane Abneigung daher, dass mein Vater laut in vermeintlich bayerischer Mundart mitsang. Laut seiner festen Überzeugung beherrscht er nämlich alle Dialekte Deutschlands. Er macht nur Spaß, aber manchmal, tja, meint er es ernst. 😉

Es dauerte Jahre, bis ich die unglaubliche Schönheit des traditionsreichen Weihnachtslieds erkannte. Für eine im kühlen Norden lebende, aber aus dem warmherzigen Süden stammende Bekannte habe ich eine Variationsreihe über „Es wird scho glei dumpa“ eingespielt. Das ist für Dich, Christina.

Dir und uns allen wünsche ich von Herzen eine gesegnete und friedensreiche Weihnachtszeit. Wir brauchen sie.

2 Antworten auf „Früher verachtete Lieder heute heiß geliebt, Folge 3“

  1. Wow! also ich bin sprachlos! Dankeschön! Vielmals! und wunderbare Weihnachten! Licht und Liebe für alle Lebewesen!

    hier gibts jetzt noch von mir mein Lieblingsweihnachtsgedicht – von Ludwig Thoma, die heilige Nacht:
    Thoma Ludwig

    Gesang

    Im Woid is so staad,
    Alle Weg san vawaht,
    Alle Weg san vaschniebn,
    Is koa Steigal net bliebn.

    Hörst d‘ as z’weitest im Wald,
    Wann da Schnee oba fallt,
    Wann si ’s Astl o’biagt,
    Wann a Vogel auffliagt.

    Aba heit kunnts scho sei,
    Es waar‘ nomal so fei,
    Es waar nomal so staad,
    Daß si gar nix rian dat.

    Kimmt die heilige Nacht.
    Und da Woid is aufgwacht,
    Schaugn de Has’n und Reh,
    Schaugn de Hirsch übern Schnee.

    Hamm sie neamad net gfragt,
    Hot’s eahr neamad net gsagt,
    Und kennen s‘ do bald,
    D’Muatta Gottes im Wald.

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