Beinahe hätte es geklappt. Für den diesjährigen Aschermittwoch und somit den Beginn der westkirchlichen Fastenzeit hatte ich mir die geballte Ladung aus PEM-Übungen, nüchterner Wanderung und kompletter Medien-Abstinenz auf den Tagesplan gesetzt. Eines davon funktionierte nicht.
In meiner Heimatstadt wird heute Karneval gefeiert. Der durchschnittliche Alkoholanteil der beim Umzug genossenen Getränke dürfte um die 40 Volumen-Prozent liegen. Da macht sich ein Glas Champagner an meiner heimischen Frühstückstafel bescheiden aus. Aber was hätte Steinzeit-Mensch Grok dazu gesagt?
Heute ist das Rheinland ein Tollhaus und Köln die geschlossene Abteilung. Vor 26 Jahren verließ meine Familie NRW. Vor dem Münchener Karnevals-Abklatsch namens Fasching bin ich gestern in die Provinz geflohen.
„Das ist nur eine Phase“ – zu meinem Erstaunen höre ich diese Aussage nur selten und vernahm sie noch nie in dieser Deutlichkeit. Aber weil das Dasein nun einmal kurvenreich verläuft, ist die Frage legitim, ob auch die primale Lebensweise nur eine Episode sein wird.
…Und zwar heute zum zweiten Mal in dieser Woche.
Sie – das sind meine russisch-orthodoxen und graeco-katholischen Freunde. Am 27. Februar beginnt der Velíkij Post (Великий Пост), das große Fasten der Ostkirche.
Ich hasse nichts mehr als Undankbarkeit. Und am meisten schmerzt es mich, wenn ich selbst undankbar erscheine. Eine Verteidigungsrede mit integrierter Entschuldigung…
Den Kindern hämmert die Fernsehwerbung ein, dass nur ein weit gereister weißbärtiger Schiffskapitän leckeren Fisch auf den Tisch bringen darf. Für die Erwachsenen hat der Alte tiefgefrorene Filets mit knuspriger Auflage im Schlepptau. Hier ist mein persönliches Rezept für Meuterer und Piraten.
Vor nicht allzu langer Zeit, wenige Wochen vor der Umstellung auf primale Lebensweise, machte mir jemand indirekt einen Vorwurf: Ich stähle mich. Für was das hätte gut sein sollen, verstehe ich bis heute nicht.
Zum dritten Wochenende gehört der einundzwanzigste Tag des Sisson-Kurses. Wie sieht das Leben nach Abschluss der Umstellung aus? Und was wird aus diesem Blog?
Manche Tage enden früher als erwartet. Gegen Neun Uhr konnte ich das Gähnen nicht mehr unterdrücken. Eine halbe Stunde später versank ich in tiefen und lang anhaltenden Schlaf. Dringend tatverdächtig der unerwarteten Narkose ist – eine Beere.
„Pass auf deine Füße auf! Sie müssen dich ein Leben lang tragen.“ – Das gab mir mein Großvater mit auf den Weg. Die primale Lebensweise ist gut für diese lebenslangen Körperträger. Aber nicht nur für sie.
Manche Aufgaben des Sisson-Kurses können auf einen späteren Termin vertagt werden, nur nicht auf Sankt Nimmerlein. Wie erkennt man die Gunst der Stunde?
Primal leben lernen ist nichts für ideale Menschen. Ohne Disziplin ist der Umstieg zwar nicht zu schaffen, aber es braucht auch ab und zu kleinere Rückschläge.
Wer sich auf die primale Lebensweise einlässt, entdeckt fast zwangsläufig viel Neues. Etwa, dass Ausdauer nicht nur eine Sache der Atmung, des Herzschlags und der körperlichen Kräfte ist.
„Ich sag’s Ihnen, Herr S. , das Leben ist ein Kampf!“ – Diesen Satz eines genervten Vermieters rezitierte weiland ein Studienfreund. Heute kämpfen die meisten meiner damaligen Studienfreunde mit Stress und Kalorientabellen. Mindestens letztere kann man vergessen, wenn man primal lebt.
Mein guter Freund und Kollege Heinz kocht. Nicht vor Wut, sondern Aufläufe für seine Gäste. In meiner Rezeptkladde aus Studienzeiten findet sich in der entsprechenden Kategorie ein Klassiker der russischen Küche. Der ist nur einen Hauch entfernt vom Ideal des primal lifestyle und auch für Vegetarier bestens geeignet.
Primal leben heißt nicht leben wie ein Hund. Zwar gehört Fleisch regelmäßig auf den Speiseplan. Aber neben reichlich Fisch legt Mark Sissons Low Carb-Urzeit-Mustermann bei seinen Mahlzeiten großen Wert auf das richtige Ambiente. Hätte sich der Steinzeitmensch Grok im Münchener Berufsalltag stilvoll eingerichtet?
Über Jahre hatte mein Bruder, der mich mit Mark Sissons Buch „21 Day Total Body Transformation“ bekannt machte, ein Vermittlungsproblem. Er war strenger Vegetarier, ein guter Teil unserer näheren Verwandtschaft dagegen war und ist im Metzgerberuf tätig. Jetzt versteht nur einer unserer Onkel die Welt seiner Neffen nicht mehr. Er ist Konditor.
Na, welches der beiden im Titel genannte Lebensmittel wird von Anhängern der primalen Ernährung wohl besonders geschätzt?
Ich höre förmlich das lautstarke Echo: „Natürlich der bekanntermaßen gesunde und arztabwehrende Apfel!“ – Aber weit gefehlt.
Was hatten der Heilige Franziskus und der Urzeitmensch Grok gemeinsam? Wahrscheinlich eine ganze Menge. Unter anderem gingen beide barfuß.
Gesellschaftsspiele àla „Mensch ärger dich nicht“ oder Brett-Disziplinen wie Schach haben sich in unserer Familie nie allzu großer und anhaltender Beliebtheit erfreut. Aber mein Wochenend-Spiel fand regelmäßig am Samstagabend und noch einmal am Sonntagmorgen statt.
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