In meiner Heimatstadt wird heute Karneval gefeiert. Der durchschnittliche Alkoholanteil der beim Umzug genossenen Getränke dürfte um die 40 Volumen-Prozent liegen. Da macht sich ein Glas Champagner an meiner heimischen Frühstückstafel bescheiden aus. Aber was hätte Steinzeit-Mensch Grok dazu gesagt?
Das Vorprogramm, das aus einem gut einstündigen Morgenlauf bestand, hätte ihm wahrscheinlich besser gefallen. Trotzdem glaube ich, mit dem Champagner-Frühstück nicht allzu weit vom primalen Kurs abgekommen zu sein.
Ohne Zweifel – Äthanol ist ein Zellgift und der mit ihm verbundene Brennwert verhindert, dass der Körper andere Energiequellen nutzt. Das rechte hier abgebildete Glas bescherte mir 3,5 Gramm Zucker, also leicht verwertbare Kohlenhydrate, deren Aufnahme ich im Sinne der primalen Ernährung streng reglementiere. Das vor den Gläsern stehende gekochte Bio-Ei steuert wertvolle Proteine und Fette bei, wobei letztere vom Organismus wahrscheinlich beiseite gelassen wurden, weil zunächst etwa 18 Gramm Alkohol verbrannt werden konnten und mussten. Durch die Ernährungsumstellung, die ich vor fast genau einem Monat nach 21 Tagen abschloss, hat meine Leber einige alte Tricks wieder gelernt, die Fette und Kohlenhydrate betreffen. Die Äthanol-Verarbeitung hat sich aber nicht gewandelt. Das Zeug muss weg – und zwar schnell!
Trotzdem habe ich ein gutes Gefühl. Zum einen sieht mein Frühstück nur sehr selten so aus. Normalerweise sind es zwei bis drei Eier, oft kommt frisches grünes Gemüse dazu oder ein paar Macadamia-Nüsse. Magerer Schinken, ein paar Kapern und eine gesunde Dosis Olivenöl sind gern gesehene Gäste an meiner Morgentafel und mein Espresso oder mein geschätzter Oolong-Tee sind seit je her ungesüßt.
Eine Lektion des Sisson-Kurses 21 day total body transformation stieß bei mir anfangs auf starke Skepsis: Es geht laut dem Kalifornier nicht darum, Kalorien zu zählen oder nach allen Regeln der Kunst Genüsse einzuschränken. Im Gegenteil. Mark Sisson hält sehr viel von Lebensfreude, sieht darin sogar eine der wichtigsten Triebkräfte für eine gesunde Lebensführung.
Auch heute beobachte ich, wie gute und viel zu lange vernachlässigte Rhythmen sich wieder etablieren. So habe ich heute schon zweimal Klavier gespielt. Dabei ist natürlich kein zweites New Black Tape entstanden, aber Musizieren ist etwas, das die Grauen Zellen intensiv beansprucht. Und mir genau so wie Mark Sisson ist extrem wichtig, dass dieses menschlichste aller Organe vom primalen Lebensstil profitiert. Mens sana in corpore sano.
In wie weit die altrömische Küche dieses Ziel berücksichtigte, entzieht sich meiner Kenntnis. Dass im Wein aber mehr als nur veritas ist, gehörte bestimmt zu Caesars Alltags-Erkenntnissen. Mit den rund 180 Millilitern Champagner ist mein Erfahrungsschatz nicht gewachsen. Aber ich bin zuversichtlich, dass weder Hirn- noch die durch das gestrige PEM-Training frisch erworbene Muskelmasse dadurch bedeutend abgenommen haben. Am morgigen Fasten- und Abstinenztag gilt wieder ein anderes Modell. Aber was gut gelaunte primale Denk- und Lebensweise angeht, ist morgen an meinem Aschermittwoch nicht alles vorbei. Der Kater, den breite Massen hätscheln dürfen, wird an mir nur leise maunzend vorüber gegangen sein.