Heute ist das Rheinland ein Tollhaus und Köln die geschlossene Abteilung. Vor 26 Jahren verließ meine Familie NRW. Vor dem Münchener Karnevals-Abklatsch namens Fasching bin ich gestern in die Provinz geflohen.
Ich erinnere mich erstaunlich deutlich an den Karneval 1983. Zwei Wochen lang suchte ich nach Textilien, die mich als Pharao kleiden könnten. Wie man auf dem Bild sieht, war der Erfolg mäßig und ich kein begnadeter Verkleidungskünstler. Die Kunst der Verwandlung begann ich erst später zu pflegen.
Zum Beispiel heute morgen. Während in der Hohen Domstadt Köln die Narren ihre Positionen im „Zoch“ bezogen, begann ich die für heute geplanten ausführlichen PEM (primal essential movements). Meinen Hausgenossen hatte ich angekündigt, dass ich danach ziemlich geschafft wirken und auch sein werde. Es gehört zum Konzept dieser auf Kraftsteigerung angelegten Übungen, dass man sie solange ausführt, bis die beteiligten Muskeln versagen. Dann gibt es eine kurze Erholungspause, in der sich die Atmung normalisiert. Und dann kommt die nächste Übung. Davon gibt es vier und bei den ausführlichen PEM folgen drei Durchgänge (Sets) aufeinander, insgesamt also 12 ziemlich anstrengende Übungseinheiten.
Anfangs machte ich mir Sorgen wegen der PEM. Es tröstete mich kaum, dass die ausführliche Variante nur alle 7 bis 10 Tage anfällt. Die Kurzfassung (1 bis 2 Sets) ist auch nicht ohne, sie geht nur schneller vorbei.
Aber heute Morgen konnte ich das auf seine Art auch närrische Treiben genießen, obwohl es sich um die immerhin halbstündige Version handelte. Es gibt andere Veranstaltungen dieser Dauer, die wesentlich mehr Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen – die Vorbereitung auf PEM währt nur 5 Minuten Warmlaufen – und bei denen einem schnell unangenehm zumute wird. Wer glaubt denn, dass die karnevalistische Pharao-Maskerade angenehm zu tragen war? Und der Fußweg in die Altstadt war wirklich kein Vergnügen. Ich musste ständig auf meine Füße und das herabhängende Bettdeckenende achten, um nicht zu stolpern. Als wir dann den Rathausplatz erreicht hatten, wurde es mit jeder Minute mühsamer, wenigstens den total betrunkenen Erwachsenen aus dem Weg zu gehen. Das karnevalistische Narrenleben ist nüchtern nicht zu ertragen. Das lernte ich damals, lange bevor ich den ersten Tropfen eines alkoholischen Getränks probierte.
In den darauf folgenden Tagen durfte man den Eltern und Nachbarn beim Auskatern zusehen. Die Erholung von zweitägigem Dauerverzehr diverser Süßigkeiten (Kamelle!) und ungezählter Kartoffelchips fiel dem kindlichen Organismus vergleichsweise leicht.
Heute schätze ich mich glücklich, dank PEM und genussvoller primaler Ernährung, im Anschluss an Festtage keine Kur zu benötigen. Wenn manche Leute über meinen neuen Lebensstil lachen – wunderbar! Ich lache mit. Und mit Blick auf die jüngste Morgen-Aktion ein paar Bütten-Verse:
Früher malt’ ich mir den Kopp an
und en Tuch. Mit Mamas Marker.
Jetzt bin ich en alter Sack –
doch bald wieder en Halbstarker.
Alaaf!