Ich hasse nichts mehr als Undankbarkeit. Und am meisten schmerzt es mich, wenn ich selbst undankbar erscheine. Eine Verteidigungsrede mit integrierter Entschuldigung…
Die Irritation war wieder einmal enorm. Eine Kursteilnehmerin hatte für ihre Kolleginnen und Kollegen sowie für den Lehrkörper der Journalistenakademie frische Krapfen mitgebracht. „Die sind vom besten Krapfenbäcker Münchens“ sagte sie mit berechtigem Stolz.
Als jemand, der selbst vor Jahren einmal einen Kurs mit Faschingsgebäck versorgt hatte, wusste ich diese klasse Aktion sehr zu schätzen. Als primal Verwandelter konnte ich das verlockende Angebot aber leider nicht annehmen. Und ja, es war verlockend! Ich habe selten so schöne Krapfen gesehen! Mit feiner Marmelade gefüllt, nur leicht mit Puderzucker bestreut, wunderbar. Aber: Was hätte Steinzeitmensch Grok dazu gesagt?
Ich muss künftig vielleicht jedem Kurs, bevor ich ihn unterrichte, zwei Web-Links ans Herz legen. Zum einen natürlich Mark Sissons Website http://www.marksdailyapple.com – für Leute, die des Englischen einigermaßen mächtig sind, ist das zumindest eine aufschlussreiche Lektüre. Der am gestrigen Mittwoch erschienene Blogeintrag „8 Reasons Why You Act Against Your Own Better Judgment“ passt übrigens zu meiner heutigen Misere wie die Faust aufs Auge, nur dass ich eben nicht wider besseres Wissen gehandelt habe. Seufz.
Der andere Link, der meine Zuhörer ihren Referenten besser verstehen lässt, ist der zu meinem eigenen Weblog www.lautwert.de/blog. Für Einsteiger empfehle ich die Lektüre des Artikels vom 23. Januar. Aus dem wird ersichtlich, warum ich allen süßen Verlockungen entsagt habe.
Wirklich allen? Nein, gegen Natursüße in geringen Mengen habe ich nichts einzuwenden. Siehe das Bild oben. Strenge Vertreter der primalen Ernährungsweise lehnen beide abgelichteten Genussmittel strikt ab. Weder Kaffee noch Schokolade mit 85% Kakao-Anteil waren vor 11.000 Jahren bekannt. Also sind diese Dinge Pfui – meinen die Hardcore-Neo-Epipaläolithen, die nichts von einem Revival des Neolithikum wissen wollen
Aber ich gehöre nicht zu den Paleo-Fundis. Wir leben nicht mehr in der Steinzeit und werden hoffentlich auch nicht dahin zurück kehren müssen. Jede Menge „nicht“ in den letzten Sätzen. Es ist und bleibt hart für mich Nein zu sagen. Aber um so entschiedener muss ich es tun, wenn es darauf ankommt. Notfalls ohne Rücksicht auf (Ansehens-) Verluste.
Also, liebe Madeleine M., ich bitte um Entschuldigung, falls Sie meine Krapfen-Abwehr heute Vormittag beleidigt haben sollte. Ich bin solche Kost nur einfach nicht mehr gewöhnt, mein Magen (und nicht nur der) würde auf eine solche Zuckerzufuhr äußerst übel reagieren. Dann wäre ich für einige Stunden ausgeschaltet und könnte nichts mehr über XHTML, CSS und Co erzählen.
Zugegeben, das wäre dem Kurs heute wahrscheinlich lieber gewesen. Aber ich möchte diese tolle Bande wirklich nicht missen. Und das müsste ich, wenn ich mich mit Magenkrämpfen auf dem Sofa in der Bibliothek wände. Vielleicht schaffe ich es ja noch bis Veilchendienstag, ein primales Krapfenrezept zu entwickeln. Wenn das klappt, bringe ich eine Fuhre davon in den Kurs OJ40/PO33. Einstweilen lese ich noch einmal die Artikel des Dossiers „Verwandlung“, das meine krapfenliebenden Schützlinge gewissermaßen zu Weihnachten „gebacken“ haben. Solche feine Kost geht immer, auch zur Altweiberfastnacht.