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Zu Ihrer Orientierung: Übersicht > Blog > Beitrag vom 17. Februar 2012 21:48 Uhr

Sie haben Пост

Türschild der Ukrainisch unierten Gemeinde St.Andreas, Odessa…Und zwar heute zum zweiten Mal in dieser Woche.
Sie – das sind meine russisch-orthodoxen und graeco-katholischen Freunde. Am 27. Februar beginnt der Velíkij Post (Великий Пост), das große Fasten der Ostkirche.

Im Frühjahr 1995 machte ich Bekanntschaft mit der osteuropäischen Version der langen Buß- und Besinnungszeit vor Ostern. Eine damalige Freundin nahm mich mit in das am Rand der Hafenstadt Odessa gelegene Russisch-Orthodoxe Kloster. Sie selbst war sehr darauf bedacht, die strengen Regeln genau einzuhalten und schilderte mir ihre Fastenpraxis sehr anschaulich im voraus. So anschaulich, dass ich einen geheimen Plan fasste: Ich wollte es auch versuchen. In einer vereinfachten Form, denn vom täglichen Besuch der bis zu sechsstündigen orthodoxe Gottesdienste sah ich ab. In Sachen Ernährung aber hielt ich mich für die Zeit bis Ostern an folgende Regeln:

Was blieb da noch übrig? Oh, eine ganze Menge. ;)

Um sich auf diesen Speiseplan einzustellen, beziehungsweise Leib und Seele daran zu gewöhnen, absolvieren die orthodoxen Gläubigen vor Beginn der Fastenzeit eine Umstellungsphase. Der kirchliche Kalender gibt dabei einen bewährten Rhythmus vor: Zwölf Tage vor dem Großen Fasten gibt es einen Hungertag, an dem man nur Wasser zu sich nimmt. Zwei Tage später wird diese Übung wiederholt. In diesem Jahr ist das heute, am 17. Februar. Ab dem kommenden Montag stehen keine Fleischgerichte mehr auf dem Speiseplan. Eine Woche später beginnt dann der Strógij Post – das Strenge Fasten.

Die orthodoxe Fastenzeit ist etwas länger als die westkirchliche, dieses Jahr dauert sie vom 27. Februar bis zum 14. April. Am Ostersonntag ist dann alles vorbei… mit dem Fasten, denn das höchste aller Feste feiern die russischen Gläubigen ausgiebig. Alles, was sieben beziehungsweise acht Wochen lang verboten war, bricht dann über die festlich gedeckten Tafeln herein.

Die Erfahrung, die ich damals an der Küste des Schwarzen Meeres machte, will ich nicht missen. Aber eigentlich hätte ich im Vorfeld wie über ein klassisches Heilfasten mit einem Arzt darüber reden sollen. Nun, damals war ich jung und brauchte weder Geld noch Ratschläge.
Auch über meine Ernährungsumstellung Anfang Januar 2012 habe ich mit keinem Arzt gesprochen. Statt dessen nahm ich mir vor, den Versuch sofort abzubrechen, falls sich Beschwerden einstellten, die länger als 12 Stunden anhielten.
Es gab keine derartigen Beschwerden. Leichte Schwindelgefühle, die nur wenige Sekunden dauerten und extrem selten auftraten, wenn ich mich sehr angestrengt hatte, versetzten mich nicht in Unruhe. Mark Sisson weist in seinem Buch „21 day Total body transformation“ darauf hin, dass Phänomene wie nach Aceton riechender Atem und gelegentliche Mattheit während der Umstellung normal sind. Eine Mahlzeit, die durch hochwertige Fette neue Energie zuführt, reißen einen schnell wieder aus dem Tief. Und schon bald gibt es keine körperlich hervorgerufenen Tiefpunkte mehr. Ich habe seit gut sechs Wochen keinen mehr erlebt.

Kommende Woche beginnt die katholische Fastenzeit. In den vergangenen Jahren habe ich keine besonderen Ernährungsregeln für diese Zeit gesetzt, geschweige denn fremde Regeln beachtet. Von da her muss ich am neuen primalen Lebensstil wohl nichts ändern. Vielmehr kann ich das von Mark Sisson als gelegentlich wiederholte Übung empfohlene Zwischendurch-Fasten in einen entschleunigten Tagesablauf einbetten. Wie ich allerdings in der Karwoche auf all das verzichten soll, was primale Ernährung neben grünem Gemüse vornehmlich ausmacht – Fleisch, Fisch und Eier – das muss ich erst noch überdenken. Wahrscheinlich halte ich es am Gründonnerstag und Karfreitag so, wie es die Ostkirche vorgestern und heute gemacht hat: Wasser trinken, sehr viel Wasser. Denn Wasser ist bekanntlich Leben.

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