Primal leben heißt nicht leben wie ein Hund. Zwar gehört Fleisch regelmäßig auf den Speiseplan. Aber neben reichlich Fisch legt Mark Sissons Low Carb-Urzeit-Mustermann bei seinen Mahlzeiten großen Wert auf das richtige Ambiente. Hätte sich der Steinzeitmensch Grok im Münchener Berufsalltag stilvoll eingerichtet?
Ziemlich häufig unterrichte ich an einer Erwachsenen-Schule. Darüber, wie ich meinen Arbeitsplatz zur workSTATion umbaute, berichtete ich in meinem Blog-Beitrag zum Tag 04. Am elften Tag des ersten Sisson-Kurs-Durchgangs – also vor genau drei Wochen – sah ich mich mit einer ärgeren Herausforderung konfrontiert. So viel darf ich hoffentlich verraten: Der in Mark Sissons Buch „21 Day Total Body Transformation “ vorgestellte Aktionsplan fordert an diesem Tag unter anderem dazu auf, sich einen Essbereich maßgeschneidert und dauerhaft einzurichten, fernab von jeder Unterhaltungs-Technik, abgesondert von jeder störenden Geräuschkulisse und Ablenkungen jeder anderen Art.
Solche Pläne kann ich gut in der eigenen Wohnung umsetzen. Aber am Arbeitsplatz? Die Schulungsräume stehen voll mit Rechnern und Monitoren. Gerade in den Pausen schrillt ein Kursteilnehmer-Mobiltelefon nach dem anderen. Und ziehe ich mich in eine der zwei Teeküchen zurück, in denen es sogar Mikrowellen-Geräte und je einen Herd gibt, so wurden meine Mahlzeiten dort bisher noch immer mit folgenden Worten unterbrochen: „Ähem, Sie essen gerade. Aber ich habe auch nur eine kleine Frage…“ Die Antwort auf eine solche Frage dauert üblicherweise zwischen 20 und 60 Minuten. Die Antwort vertagen? Habe ich immer wieder versucht. Und ich stellte jedesmal aufs Neue fest: Da hilft kein verzweifelter Blick meinerseits auf das abkühlende warme Mittagessen und auch kein gebrummtes „später“. Menschen, die ganz kleine Fragen stellen, haben auch nur ganz furchtbar wenig Erbarmen oder Einsehen.
Deswegen habe ich schon seit geraumer Zeit zu Mittag das Weite gesucht. Im Sommer war es oft eine knapp einstündige Spontanwanderung mit frischem Brot und Käse als Proviant. Zu allen Jahreszeiten boten sich auch diverse kleine Restaurants in der Nähe an. Die Restaurants gibt es nach wie vor, ich konnte sie aber noch nicht auf ihre primalen Qualitäten hin prüfen.
Am besagten Tag 11 vor drei Wochen wollte ich nicht mit den Gaststätten-Examina beginnen. Statt dessen überlegte ich, wo ich mein primales Ess-Zelt am besten aufschlagen könne.
Nun verfügt die Einrichtung, an der ich unterrichte, über einen abgelegenen Raum, in den sich nur sehr selten Studierende verirren. Dorthin habe ich mich schon immer zurückgezogen, wenn ich meine Ruhe haben wollte. Der Schönheitsfehler: Auch in diesem Raum wimmelt es von Computern, Flachbildschirmen und wenig gemütlichen Schreibtischen. Es gibt zudem keinen Herd, nur ein kleines Mikrowellengerät älterer Bauart.
Primal leben heißt improvisieren können. Also kaufte ich in einem nahe gelegenen Bio-Markt ein und zog mich nach meiner Rückkehr in ein winziges Übernachtungs-Zimmer zurück, das durch eine (leider nur kurze) Treppe vom vollcomputerisierten Schulungsraum getrennt ist. Dort arrangierte ich etwas barbarisch notdürftiges Gemüse (siehe Foto oben), drappierte einen anderen Teil davon mit Sardinen und übergoss diesen fundamentalistischen Fischteller mit dem reinen Olivenöl (!), in dem die kleinen Fische zuvor noch eingelegt waren. Eine Minute Mikrowellen-Bestrahlung machte daraus ein warmes Fischgericht mit Rohkost-Salat auf Teller Nummer 2. Voilà, nouvelle cuisine primale.
Nein, das ist keines der im ersten Blog-Beitrag angekündigten Rezepte. Ich koche sehr gerne, aber nur in einer gut ausgestatteten Küche wie der meinen und am liebsten für Gäste. Seit Wochen nehme ich mit Staunen wahr, wie mir ganz neue Koch-Ideen in den Sinn kommen. Kalte oder halbwarme Küche wie am Arbeitsplatz genießt bei mir Seltenheitswert. Am letzten Wochenende gab es einen nur ganz leicht abgewandelten Roten Borschtsch. Das Rezept dafür gibt es morgen – nur hier in meinem Blog! До встречи.