„Pass auf deine Füße auf! Sie müssen dich ein Leben lang tragen.“ – Das gab mir mein Großvater mit auf den Weg. Die primale Lebensweise ist gut für diese lebenslangen Körperträger. Aber nicht nur für sie.
Die erfahrene Ärztin Dr. D. verzweifelte an mir. Oder genauer, an meinen Füßen. Sie sagte, dass ich wohl immer Probleme damit haben würde, wenn auch solche von eher kosmetischer Natur.
Da ich schon damals auf Äußerlichkeiten wenig Wert legte, ließ mich diese Ansage ziemlich kalt. Ich bemerkte aber kurze Zeit später, dass aus dem meistens gut verdeckten Schönheitsfehler ein waschechtes gesundheitliches Problem erwuchs. Insbesondere in der wärmeren Jahreszeit nahmen Wachstumsprozesse, die mir nicht gefielen, volle Fahrt auf, die im Winter zwar stetig, aber deutlich langsamer verliefen.
Es ist unnötig, hier weiter ins Detail zu gehen. Der Prozess ist nicht nur abgebrochen, sondern umgekehrt. Die Sache wächst sich buchstäblich aus, sie verschwindet. Wer noch nicht weiß, wovon ich rede, schaue sich den schönen Trickfilm Osmosis Jones an und achte darauf, wo sich die richtigen bösen Zellbuben nach rund einer Stunde Filmlaufzeit treffen.
In meiner „Big Toe’s Garage“ war es schon längere Zeit unruhig, weil ich meine Füße seit mehr als drei Jahren täglich intensiv beanspruche. Aber das half nichts. Erst seit meine Ernährung auf low carb, also auf niedrige Kohlenhydrat-Zufuhr umgestellt ist, bessert sich die Lage rasant.
Noch so ein Nebeneffekt der primalen Lebensweise! Neben Rückbau von unnötigen Fettreserven, Aufbau von einsatzfähigen Muskelstrukturen, stärkere Immunkräfte – Herz, was willst du mehr?
Ich wollte von Anfang an mehr! Mein stärkster Einwand gegen die kohlenhydratarme Kost meines Bruders war die Befürchtung, dass dem Hirn die nötige Treibstoffzufuhr versagt bliebe. Mark Sisson, der Autor des Buchs „21 day Total body transformation“ und des Blogs www.marksdailyapple.com, leugnet nicht, was Schulmediziner, Ökotrophologen (Ernährungswissenschaftler) und Biologen in trauter Eintracht lehren: Das menschliche Gehirn ist auf reinen Traubenzucker angewiesen, es gibt für den Denk- und Steuerapparat keinen anderen Brennstoff. Und von diesem Stoff braucht das Gehirn täglich eine ordentliche Portion.
Was ich lange nicht wusste ist, dass die Leber diesen Traubenzucker bei Bedarf erzeugen und dann zur Verfügung stellen kann – nicht aus Luft und guter Laune, auch nicht nur aus ihren bescheidenen Reserven, sondern aus Fetten. Wertvolle naturbelassene Fette wie Olivenöl oder auch das vielfach gescholtene Fett von Hühnereiern, lassen sich auch für andere Zwecke nutzen, etwa als Energiequellen oder zum Aufbau wichtiger Botenstoffe.
Natürlich, all diese Aussagen sind erst einmal nur Thesen, denen sich viele professionelle Ernährungsberater und Ärzte nicht anschließen mögen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) hält ausdrücklich dagegen und empfiehlt eine ausgewogene Ernährung, in der kohlenhydratreiche Speisen wie Brot und Vollkornmehl- Produkte eine dominierende Rolle spielen.
Man muss sich meiner Meinung nach auch vor Augen führen, dass auf der Grundlage von Ackerbau und Getreideanbau zig Hochkulturen entstanden sind. Für mich ist es plausibel, dass kulturelle Errungenschaften wie die Schrift, das Rechnen und Konstruieren, Elektro- und Datenverarbeitungstechnik von Sisson-Maskottchen Grok nicht erfunden worden wären.
Gestern besuchte ich einen Freund, den ich vor über 20 Jahren kennenlernte. Der Mann ist Jesuitenpater, stammt aus Arizona, ist weit über 80 Jahre alt und war früher Zoologie-Dozent an zwei deutschen Unis. Ich hatte während meines ersten Sisson-Kurs-Durchlaufs ein wenig Scheu, diesem Jesuiten von meiner Ernährungsumstellung zu erzählen. Ich merkte aber bald, dass ich offene Türen einrannte. Pater L. SJ fand das Selbstexperiment interessant und vielversprechend. Und gestern lächelte er, als mir eine liebe Ordensschwester mit ein paar kleinen süßen Windbeuteln sicher eine Freude machen wollte, ich diese Süßigkeiten aber mit aller Freundlichkeit liegen ließ. „Ist das keine Versuchung für Sie?“ fragte mich mein Freund. Und die Antwort fiel mir ganz leicht: „Nein, nicht mehr.“
Man sagt, dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten alles seinen Preis habe. Mein jesuitischer Wegbegleiter drückte das während meiner Studienzeit immer wieder mit Bezug auf ganz unterschiedliche Dinge so aus: „Das kostet etwas!“ Ich glaube, auch die Hochkulturen hatten einen Preis, der von den Beteiligten in Form von gesundheitlichen Problemen bezahlt werden musste. Der Preis, den ich für meine definitiv höhere Lebensqualität seit jetzt sechs Wochen quasi als Miete zahle, ist dagegen unglaublich niedrig. Für meinen Denkapparat ist das eine ganz einfache Rechnung. Leber, gib dem Affen Zucker.