„Ich sag’s Ihnen, Herr S. , das Leben ist ein Kampf!“ – Diesen Satz eines genervten Vermieters rezitierte weiland ein Studienfreund. Heute kämpfen die meisten meiner damaligen Studienfreunde mit Stress und Kalorientabellen. Mindestens letztere kann man vergessen, wenn man primal lebt.
Am Samstag war ich fast den ganzen Tag auf den Beinen – aber keineswegs gestresst. Schon seit vielen Jahren halte ich mir den Sonntag komplett von Arbeit jeder Art frei. Und am Samstag versuche ich, kreative Aufgaben an die Stelle der langweiligen Routine-Aufgaben zu setzen. Das klappt nicht immer, aber diesmal bekam ich ja ein paar Tips aus dem Kurs 21 day Total Body Transformation. Und weil ich diesen Kurs im Januar schon einmal komplett durchlaufen hatte, wusste ich: „Heute ist nicht die Zeit für Stubenhocken, sondern für die Jagd nach essbarem Wild.“
Bis heute habe ich noch kein Tier umgebracht, das größer gewesen wäre als eine Wespe. Ich überlasse das auch in Zukunft gerne den wahren Profis (vorzugsweise Herrmannsdorfer), die wissen, wie man ein Lebewesen zur Nahrungsquelle macht, ohne es zu quälen. Ich musste einmal mit ansehen, wie ein Hobbygärtner einen nagenden Störenfried mit einem Kleinkalibergewehr erlegte. Das Wildkaninchen musste qualvoll krepieren, weil der erste, aus großer Distanz abgegebene Schuss natürlich nicht saß und die fünf folgenden aus nächster Nähe das Tier leider auch nicht erlösten.
Schön kann ich das Töten nicht finden. Aber Tierfleisch, stamme es nun von Fischen, Vögeln oder Säugern, gehört nun einmal zum natürlichen Speiseplan des Homo sapiens.
Ich bin überzeugt, dass mensch auch als Vegetarier lebensfroh und gesund alt werden kann, es gibt genügend Beispiele. Und ich respektiere auch, wenn jemand auf ein bisschen eigenes Wohl verzichtet, wenn es dadurch einem anderen Geschöpf gut geht. Wir leben hier und jetzt nicht mehr in der Savanne, in der solche Rücksichtnahme potentiell tödlich war. Und das ist gut so. Mein klares Ja zur Kultur! Und damit meine ich nicht etwa den Kulturbetrieb.
Zu den Grundlagen der modern aufgemischten Paleo-Lebensweise gehört neben einer kohlenhydrat-armen Ernährung eine erhöhte aber nicht übertriebene körperliche Aktivität, reale Kommunikation und neu entdeckte Lebensbejahung. Kalorienzählen gehört nicht zum Repertoire des primal lifestyle. Möglichst viel langsame aber stetige Bewegung im Freien trägt viel mehr zu einem Körper bei, den man gerne weil leichter trägt.
Eine gelegentliche Analyse der eigenen Nahrungsaufnahme im nachhinein (!) schadet dabei nicht. Dann zeigt sich schnell: Hohe Brennwerte allein machen nicht unglücklich, ebenso wenig führen großzügige Mengen wertvoller Fette zum „Ansetzen“. Das behauptet Mr. Sisson aus Malibu, meinen außer ihm noch einige andere Praktiker wie auch Mediziner. Inzwischen kann ich mich dieser Aussage guten Gewissens anschließen. Und nein, wenn ich bei meinen Streifzügen ein Eichhörnchen sehe, denke ich nicht gleich daran, wie es wohl schmecken würde. „Leben und leben lassen“ ist eine der bayerischen Devisen, die mir als Nicht-Bajuwaren schon immer gefallen haben. Und Nager jeder Größe und Fellfarbe haben bei mir ganzjährig Schonzeit.