27. Oktober 2011
Aleksandr Abramovitsch Bejderman (geb. 1949)
Jiddisches Original erschienen in kaboles ponem (Odessa 1994, Morjak-Verlag)
Übersetzung: Thorsten Steinhoff (Regensburger Skripten zur Literaturwissenschaft, Bd. 1, 1996), revidierte Fassung 2011
Es ist so ein Herbst, so ein Herbst
wie es ihn nur zu Purim gibt,
so ein Herbst. Und du? Auf was wartest du?
Was schaust du wie von einem hohen Turm herab?
Na los, sieh dich besser um:
Alles ist gut! Woran fehlt es dir denn?
Die da riecht nach Sünde und jene nach Parfüm,
der da spielt mit dem Teufel und jener spielt Schach.
Es spielt Musik. Die Luft ist klar und rein.
Der Wind trägt das Laub durch die Gassen.
Von dieser Art ist der Herbst schon. Und für dich selbst
ist es sogar ein Fest –
aber davon der zweite Tag!
26. Oktober 2011
Für M.
Unsichtbar sitzt das Publikum
im Stillen.
Bühnenlicht strahlt auf,
Spannung strömt von Saite zu Saite.
Finger bewegen sich, üben ein letztes Mal
schwierige Stellen
vor dem ersten Schlag.
Dann
Rauschen, Stimmen im Aufruhr,
Dunkelheit, Lichglanz und
nächtlich reisende Wolken aus Klang.
Und wieder Stille.
Nur vor der Verbeugung
sehen die Musiker
für eine Achtelpause
ihr Publikum.
23. Oktober 2011
Die Lungen sind verschnürt mit Tauen
nicht aus Rauch – aus Asche!
Graue Schwaden ziehen
geführt durch Mauern
hinaus ins Freie. Unvorsichtig
geöffnete Fenster
und gebrochene Fugen
geben den Flammen schnell nach.
Sengende Glut leuchtet rot und
tief im Haus. Die Wände
verstrebenden
Träger werden
bersten
in diesem Brand.