
F.: Thorsten Steinhoff, 2011
Ich sitze auf einer blau lackierten Holzbank in der Juristen-Caféteria, mein Smartphone saugt Strom aus dem Netz der Uni Regensburg und auf meinen Knien balanciere ich einen tragbaren Rechner.
Zuletzt war ich in diesem kargen und auf mich seit je her baufällig wirkenden hallenartigen Raum vor fast 17 Jahren. Damals feierte eine Studienfreundin ihren Abschluss. Sie hatte ihr Diplom in Betriebswirtschaft gemacht, war nach eigener Aussage bereit für die freie Wirtschaft. Was hieß das damals? Bürositzungen bis spät in die Nacht, auf Reisen sein, Einsamkeit als Regelzustand. Mobile Telefone, Laptops und ein allgegenwärtiges Internet wagten damals noch nicht einmal die kühneren Geister zu erwarten. Und jetzt – siebzehn Jahre später?
Bevor ich den Weg hierher durch das Audimax-Gebäude nahm, die lange Treppe hinunter und quer durch das Erdgeschoss zur Juristischen Fakultät ging, hatte ich auf dem Forum ein spontanes Chorkonzert gehört und einen Blick auf die Aushänge des Studierenden-Theaters geworfen. Und dann erreichte ich den Durchgang, auf dem ich damals für einen Moment davon träumte, ein freies Leben mit einer freiheitsfreudigen Partnerin zu leben – zwischen unterschiedlichen Ländern, zwischen West und Ost, zwischen Sprachen und Abstrakterem uns bewegend. Dieser Traum verging, das wache Leben brachte eigene Geschenke. Wann diese Lebensgeschenke eintreffen und wie sie aussehen würden, ließ sich naturgemäß nie vorhersagen.
„Seid wachsam!“ hieß es am Sonntag dieser Woche in der Frohen Botschaft. Im Kontext des biblischen Textes, in dem von der Endzeit die Rede ist, schien das vor allem eine Warnung zu sein. Wenn man genauer liest, erkennt man, dass auch diese warnende Mahnung eine Aufforderung zur mit Freude gelebten Hoffnung ist.
Ein von J.S. Bach komponierter Choral bringt das für mich immer wieder zum Ausdruck. Der Uni-Chor sang ihn auf dem Regensburger Hochschul-Forum als zweites Stück: Vom eröffnenden „Wachet auf ruft uns die Stimme“ bis zum „Ihr müsset ihm entgegen gehn“ – und weiter bis zum abschließenden Jubelruf. Advent ist die Zeit des Wartens auf eine Ankunft. Aber zu diesem Ankommenden muss man sich selbst auf den Weg machen. Und manchmal ganz real.