Köpper ins Eiswasser

Ob die zwei Schwäne kalte Füße bekommen? Bestimmt, wenn sie auf dem zugefrorenen Kanal hocken bleiben. Ein Statement gegen Facebook – mit versöhnlichem Schluss.

Ein neu gewonnener Freund von mir bloggt nur für seine Schwester und persönliche Freunde. Als Instrument der Kontaktaufnahme lehnt er das Web im allgemeinen und sein Blog im besonderen ab. Konsequenterweise verzichtet er auf Facebook, Twitter und sämtliche anderen sozialen Medien. Die nicht digitalen Begegnungen genügen ihm vollkommen.

Vor einer Woche gab ich auf Facebook bekannt, dass ich künftig keine Links mehr teilen werde, mich sogar demnächst von dem weißen „f“ auf blauem Grund trennen wolle. Die Betroffenheit war groß.
Die meisten der vom Scheidungsbeschluss Entsetzten verkannten, warum ich mich 2010 entschloss, Zuckerbergs Baby eine Chance zu geben. Das waren und sind im wesentlichen drei Wünsche:

1. Ich möchte meinen realen Freunden und Bekannten eine Gelegenheit geben, auch aus der Ferne mitzubekommen, was bei mir los ist.
Dafür eignet sich mein Lautwert-Blog viel besser, denn hier regiert kein merkantiler Algorithmus. Das Neueste kommt nach oben und basta. Für alle, die eine Buchstaben-Allergie haben, gibt es alternative Kost auf meinem Youtube-Kanal.

2. Im Gegenzug will ich auch von meinen Freunden erfahren, was sie bewegt.
Deswegen bin ich auf Facebook auch nur mit Menschen und einer Handvoll Einrichtungen vertäut, die ich persönlich kenne oder wo wenigstens der beiderseitige Wunsch besteht, sich kennenzulernen.

Bei diesem Wunsch von mir patzt Fb seit geraumer Zeit und der systembedingte Mangel wird immer größer.

Deswegen mein Appell: Lernt bloggen, Leute. Es ist wirklich nicht schwer und mit null Mehrkosten verbunden. Wer gerne schreibt, kann das etwa auf dem zu Google gehörenden Blogger.com tun. Wer mit (Selbst-)Geschriebenem fremdelt, kann dort auch Fotostrecken posten. Und wie wäre es mit einem Vlog, einem Video-Kanal? Wer den Google-Kraken und damit Youtube scheut, kann sich zum Beispiel über Vimeo schadlos halten. – Ich bin gespannt auf eure Streifen! Eure Smartphones haben bessere Kameras als Ihr glaubt.

3. Am liebsten wäre ich öfter mit Euch zusammen
Facebook war einmal ganz gut darin, für mich Treffen zu organisieren. Im Prinzip ginge das immer noch, die Kalender-Funktionen des weißen F sind gar nicht so übel.
Das Problem, mit dem ich zur Zeit kämpfe, ist eines, für das Facebook nichts kann. Meine Werkwoche ist abends derart dicht geworden, dass für zwanglose oder gar spontane Treffen kaum noch Raum bleibt, vom kulturellen Leben (Konzerte im P.A.N.D.A.-Theater, Filmvorführungen im Wolf-Kino oder Abende im VinAquaVin, vormals meinem zweiten Wohnzimmer) mal ganz abgesehen.
Ob und wie ich das wieder ändern kann, muss sich zeigen. Facebook kann mir dabei nicht helfen. Aber die Veranstalter unter Euch, Fb-Aktive, dürfen sicher sein: Ich sehe Euch. Macht mir den Mund ruhig wässerig. 😉

Fazit: Wer wirklich keinen anderen Weg zu mir findet, kann weiter auf dem facebook-Kanal wandern. Man sollte sich eben nicht darauf verlassen, dass dieser Kanal zum Ziel führt.
Besser ist es, ins kalte Blog-Wasser zu springen und darin richtig schwimmen zu lernen. Ich war übrigens 16, als ich lernte, mich über Wasser zu halten. Ich weiß, was es heißt, Angst vor dem Absprung ins Nass zu haben. Vor dem Bloggen muss aber niemand Angst haben. Die Blogosphere ist kein Haifischbecken. Wir tun nichts, wir wollen nur spielen… (platsch)

P.S. „Platsch“ war eine kleine Anspielung für diejenigen von Euch, die Ralph Ruthe genauso toll finden wie ich. Ich sage nur: Geile PR-Agentur… 😉

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