Nur wer für etwas brennt…

der kann auch über das ganze Gesicht strahlen, halleluja. Ein Artikel für alle, denen das Warten ebenso schwer fällt wie das energische Weitermachen.

Uff, das klingt ja nach einer veritablen Publikumsbeschimpfung. 🙂 Aber wer nur ein bis zwei Handvoll Leser hat, kann sich das ab und zu leisten.

Zumal ich niemanden beschimpfe. Es ist Fakt: Die Osterzeit läuft noch – mindestens bis zum Himmelfahrtstag. Viele sehen den Höhepunkt der österlichen Festzeit sogar in Pfingsten, 50 Tage nach dem Ostersonntag. (Ich gehöre inzwischen zu dieser Fraktion, das war aber nicht immer so.)
Dem Fakt der fortdauernden Osterzeit steht ein anderes widersprechend gegenüber: Keiner in meinem alltäglichen Umfeld feiert mit mir. Niemand. Nicht einmal die paar Katholiken, die ich im Rahmen meiner Berufsarbeit allwöchentlich sehe. Die Zier-Ostereier mögen noch an der Decke oder an einem Blumenstrauß hängen, sie sind aber längst Bestandteil der Frühlingsdekoration und werden demnächst wieder eingemottet.

Meine Osterdeko ist traditionell so karg, dass ein Einmotten nicht lohnt. Wenn die Osterkerze abgebrannt ist, dann wird sie durch eine würdige Nachfolgerin ersetzt. Die hat dann eben nicht die Osternacht erlebt, aber das muss eine Kerze auch nicht, um hell zu leuchten. Für mich persönlich reicht es, wenn das Wachs der Kerze hell ist und mich so an die Osterkerze erinnert, die ja in der (katholischen) Kirche das ganze Kirchenjahr hindurch immer wieder angezündet wird. Um die Gläubigen daran zu erinnern, warum wir trotz aller Widrigkeiten und Nöte Grund zur Hoffnung haben. Jesus lebt!

Im Berliner Anhang des neuen Gotteslob-Liederbuchs gibt es unter der Nummer 759 einen lokalen Klassiker, dessen Strophen jeweils mit der zitierten Lebensaussage enden. Als ich dieses Lied zum ersten Mal hörte und natürlich auch mitsang, bekam ich bei der dritten Strophe massive Probleme. Weder lagen Pollen in der Luft, noch wäre der Liedtext ein Tränentreiber. Aber die Melodie macht am Ende eine Bewegung, die in mir – in jenem Moment – Saiten zum Schwingen brachte, die meistens still liegen.
Weniger musikalisch ausgedrückt: Es gibt eine Art von Begeisterung, bei der die Stimme weg bleibt. Ich bin sicher, solche Bewusstseinszustände kennen auch nicht-religiöse Menschen. Ich jedenfalls kenne viele bekennende Atheisten und Agnostiker, die ganz und gar für etwas oder jemanden brennen. Aber ständig? Das wäre nicht irdisch, in unserem gestalteten Alltag nicht umsetzbar.

Aber dafür gibt es Festtage wie den heutigen Weißen Sonntag. Auf dem Rückweg von St. Christophorus kam ich an zig Cafés vorbei, bei denen unzählige Sonnenanbeter draußen saßen und ihren Sonntags-Lunch genossen. Ich beließ es bei einem Kaffee, einem Flat White – passend zum Weißen Sonntag.
Von diesem speziellen Sonntag hatten die meisten Café-Besucher mutmaßlich noch nie gehört. Nicht schlimm, da sie doch offenbar Zeit gefunden hatten, um sich vom Arbeitsalltag abzukoppeln und statt dessen mit Partner oder Freunden zusammen zu sein. Gerne auch „on fire“ (womit ich jetzt nicht verwerfliches Quarzen meine… 😀 ). Wenn das Temperament so ist, lass es brennen.

In mir brannte es auch ohne lieben Menschen an meiner Seite. Nicht ohne Absicht hatte ich das Lied Nr. 759 als Schlusslied meines Organisten-Dienstes ausgewählt. Ich liebe es, Ohrwürmer auszusetzen. Auch um den Preis, dass sich ein Exemplar bei mir selbst einnistet.

Wisst Ihr, warum? Dann kann ich das Tierchen noch besser hegen und vermehren. Nehmt das! Und brennt.

Eine Antwort auf „Nur wer für etwas brennt…“

  1. Immer Samstags lese ich diese „nachdenklichen“ Zeilen und höre, wie in diesem Fall, die passende Musik.
    Ein TV-Bericht dieser Woche befasste sich mit dem neuen Jogging-Trend, dem SLOW-Jogging. Sicher nicht neu, alles ein wenig langsamer anzugehen, ohne jedoch stehen zu bleiben. Gilt sicher für viele Lebensbereiche. Also, gehen wir weiter und machen uns auch christlich bemerkbar in der Welt.

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